Achtsamkeit – die innere Haltung für souveränes, wertschätzendes Führen

– Ein Beitrag von Oliver Beyer |

Achtsamkeit und Meditation haben ihre Wurzeln zwar in den Lehren des Buddhismus. Als Haltungsansatz zur wirksamen Stärkung der Psyche sowie Erhöhung der Kreativität und Leistungsfähigkeit haben sie auch Einzug in die moderne FührungskräfteentKind blickt gespannt über die Tisch-Kantewicklung gehalten.

Die gängigsten Definitionen beschreiben sie als eine Haltung der Aufmerksamkeit, die absichtsvoll und bewusst gewählt ist. Sie konzentriert sich dabei ausschließlich auf die Gegenwart und löst sich ab von Vergangenheit und Zukunft. Denn Achtsamkeit ist nicht wertend, d.h. unterlässt den Vergleich des Beobachteten mit Erinnerungen ebenso wie mit Erwartungen. Sie fragt nur nach dem, was ist. Aufkommende Gedanken werden angenommen, registriert und wieder losgelassen, um die Aufmerksamkeit bei sich selbst und dem Augenblick zu behalten, Ablenkung wird reduziert.

Achtsamkeit befähigt uns, Beobachtungen zu machen, die gründlich und detailreich sind. Viele Dinge des Alltags entgehen unserer Wahrnehmung, sei es weil sie uns vermeintlich bekannt sind und wir sie längst in eine Schublade gesteckt haben, sei es weil unsere erste Begegnung mit ihnen uns hat entscheiden lassen, dass sie nicht von Bedeutung für uns sind. Oder vielleicht haben wir sie als unangenehm und störend empfunden und verdrängen ihre Wahrnehmung deshalb. Diese Standardmuster dienen zwar der Erleichterung unseres Alltags. Sie entfremden uns allerdings auch von den Dingen, weil wir sie auf diese Weise auf die Wahrnehmung und Bewertung reduzieren, unter der sie abgespeichert sind. Bei nächster Begegnung rufen wir unsere Erfahrungen aus dem Speicher ab und stülpen sie der Wirklichkeit über.

In einer achtsamen Haltung werden wir uns dieser Muster bewusst und ersetzen sie durch Wahrnehmungen dessen, was wir gerade tun und erleben, ohne mit den Gedanken woanders zu sein. Dabei beschäftigen wir uns zum Beispiel mit:

  • unserem Atem
  • den Wassertropfen der Dusche auf unserem Körper
  • dem Geschmack des Kaffees
  • unsere Schritte auf dem Weg ins Büro

Solche Übungen entfalten eine deutliche Wirkung, schon wenn sie täglich mehrmals zwei Minuten lang durchgeführt werden. Dabei richten wir alle unsere Sinneskanäle auf das „Hier und Jetzt“ und beschreiben unsere Wahrnehmungen detailliert:

  • Was sehe ich? (Größe, Form, Farbe, Oberflächenstruktur)
  • Wie fühlt es sich an?
  • Wie riecht es?
  • Welche Geräusche höre ich dabei?

So selbstverständlich und gewöhnlich etwas bisher für Sie auch gewesen sein mag: billigen Sie ihm seine Einzig­artigkeit zu und beschreiben Sie, wie Sie es hier und jetzt erleben. Achtsamkeit bedeutet, eine grundsätzlich wertschätzende Haltung einzunehmen, damit wir die Verschiedenartigkeit der Dinge wahrnehmen und beschreiben können, die uns täglich umgeben. Entsprechend überträgt sich diese Sichtweise auch auf Menschen, Orte und alles, womit wir in Berührung kommen. Mit dieser Einststellung werfen wir einen frischen, unverbrauchten Blick auf unsere Umgebung und entwickeln Freude auf alles Neue und schlichte Neugier, wo wir vielleicht gestern noch glaubten, alles schon zu wissen.

4 Leitfragen um in eine achtsame Haltung zu finden:

  • Wie kann ich meine Aufmerksamkeit steuern?
  • Welche Bedingungen verhindern mein „mich einlassen“ auf Personen oder Situationen?
  • Was hält mich von einem gesunden Gegenwartsbezug ab?
  • Wann tritt bei mir der Tunnelblick auf?

Die Beantwortung dieser Fragen öffnet die Tür zur Gegenwart. Sobald wir uns auf den Moment neu einlassen, lässt unsere innere Anspannung nach. Wir machen z.T. völlig neue Beobachtungen und gewinnen neue Perspektiven. In uns wächst eine neugierige Aufregung, die uns offen für neue Einsichten macht und Begeisterung entfachen kann, wo zuvor vielleicht Gleichgültigkeit oder gähnende Langeweile herrschten. Besonders befördert dies eine neue Ausrichtung weg vom Problem, hin zur Lösungsorientierung.

Beteiligt z.B. eine Mitarbeiterin sich überraschend an Diskussionen, dann fragen Sie sich nicht, „was die wohl will?“ sondern hören Sie aufmerksam zu und fördern Sie das Engagement. Vielleicht steckt dahinter ein neu entfachter Karrierewille oder ein Ihnen noch nicht bekanntes Fachwissen.

So erreichen wir eine Unbefangenheit, die vermeidet, dass wir alles gleich an unseren Erfahrungen und Erwartungen messen, bevor wir es wirklich erfasst haben. Stattdessen finden wir leichter zu bewussten, lösungsorientierten und den Situationen jeweils angemesseneren Reaktionen und Entscheidungen. Unsere Umwelt spürt einen wertschätzenden Umgang, da wir die Menschen um uns herum individuell wahrnehmen und auf sie eingehen. Die Mitarbeiterin z.B. wird sich besser fühlen und in ihrer Motivation gestärkt, wenn Sie auf ein aufmerksames und interessiertes Echo statt auf gewohnt stereotype Reaktionsmuster trifft. Sie werden sehen, dass Ihre Reaktionen und Entscheidungen nachvollziehbarer werden und souveräner erscheinen und das Leistungspotential Ihres Teams zur Entfaltung bringen.

Oliver Beyer

Author: Oliver Beyer

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