Special Issue: RESILIENZ – eine starke Ressource für ganzheitlichen Erfolg

Leuchtturm der Resilienz– Ein Artikel von Andrea Herkommer

| These: Resilienzförderung ist der Aufbau bewältigungsrelevanter Haltungen, Fähigkeiten und Ressourcen, die sich letzlich langfristig in gesünderen und zufriedeneren Mitarbeitern, sinkenden Kosten und höherer Produktivität bemerkbar machen. Resilienz ist Kernkompetenz und essentielle Eigenschaft von Unternehmen und deren Mitarbeitern!

„Das Leben ist nicht fair!“ Wir verlangen vom Leben, dass es uns gegenüber gerecht ist, es soll schön und erfüllt sein. Und wenn das Leben diese Anforderungen nicht erfüllt? Dann ist uns unwohl oder wir stecken sogar in einer Krise. Zudem müssen wir mit den vielfältigen Herausforderungen unserer Zeit umgehen.

Unsere auf Schnelligkeit, Hochleistung und Stärke programmierte Wirtschaft empfindet kritische Ereignisse oder gar Krisen als Störungen. Jedoch kaum eine Karriere oder ein großes Projekt verläuft heute ohne Rückschläge. Kritische Ereignisse stellen bisherige Erfahrungen, Werte, Ziele und unser Verhalten in Frage. Es ist eine Anpassung an die nun veränderte Realität erforderlich.

Sie kennen bestimmt Menschen und auch Unternehmen, die aus Krisen gestärkt hervorgehen, Rückschlägen nicht nur Stand halten sondern sogar daran wachsen. Warum ist dies so? Welcher Fähigkeiten bedarf es, um aus Krisen gestärkt hervorzugehen? Psychologische Forschungen zeigen: Jede kritische Veränderung lässt sich bewältigen – vorausgesetzt, Sie schulen Ihre innere Stärke. Diese Fähigkeit, Krisen und Druck zu meistern und sich dabei weiterzuentwickeln, wird als Resilienz oder Widerstandsfähigkeit bzw. Flexibilität bezeichnet.

Hoch resiliente Menschen zeichnen sich auf Basis einer Vielzahl von Fähigkeiten dadurch aus, dass sie mit Zuversicht, Gelassenheit, Selbstvertrauen und viel Konsequenz die Herausforderungen angehen, die ihnen das Leben stellt – in dem Wissen darüber, dass auch Rückschläge und gravierende Veränderungen zum Leben dazugehören, mehr noch: sie sogar eine Quelle des Lernens sind. Das Resilienzmodell weist Parallelen zu Work-Life-Balance- und Selbstmanagementkonzepten auf, ist jedoch weit mehr als Burnout-Prävention und Gesundheitsmanagement. Eine Resilienzförderung besteht im Aufbau bewältigungsrelevanter Haltungen, Fähigkeiten und Ressourcen, die sich letztlich langfristig in gesünderen und zufriedeneren Mitarbeitern, sinkenden Kosten und höherer Produktivität bemerkbar machen.

Widerstandsfähigkeit als Veränderungskompetenz

Heute sind wir aufgerufen, zum Thema Veränderung eine bewusste, möglichst positive Haltung einzunehmen. Resilienz ist ein dynamischer Anpassungs- und Entwicklungsprozess. Neue Belastungen verlangen die Aktivierung neuer Ressourcen. Resilienz bezieht sich dabei nicht nur auf das Individuum. Auch Teams, Abteilungen und ganze Organisationen können resilienter werden wenn sie z.B. eine gemeinsame Strategie für einen kompetenten Umgang mit Belastungssituationen entwickeln. Hiermit ist nicht nur das kluge Reagieren auf Krisen gemeint, sondern vielmehr die präventive Vorbereitung auf mögliche Veränderungen.

Alle Menschen sind resilient

Wir alle tragen in uns die Fähigkeit, mit Rückschlägen umzugehen. Die Frage ist also nicht, ob wir resilient sind, sondern wie resilient wir sind. Resilientes Verhalten lässt sich erlernen und kann jederzeit weiterentwickelt werden. Es gilt daher, die Fähigkeit zu aktivieren, zu stärken und zu trainieren.

Resilienz hat vor allem etwas mit Wahrnehmungsprozessen zu tun und ist in erster Linie eine Frage der inneren Haltung.

Ein kompaktes Handwerkszeug zur Stärkung der persönlichen und organisationalen Resilienz sind unterschiedliche Resilienzfaktoren auf der individuellen, organisationalen und Beziehungs-Ebene.

Individuelle Ebene: Persönliche Grundhaltung

  • SELBST (sein)

Resilienz knüpft sich ganz eng ans eigene Selbstbewusstsein. Was Sie von sich selbst halten und wie Sie zu sich stehen, bestimmt, wie gut Sie kritische Situationen meistern. Sich für die eigenen Gedanken, Gefühle und Reaktionen zuständig zu sehen bedeutet, für sich selbst Verantwortung zu übernehmen. Wer dagegen die Schuld für das eigene Denken und Tun anderen zuweist, macht sich abhängig von den Verhältnissen und tappt in die Opferfalle. Wer Selbstverantwortung ernst nimmt, macht sich bewusst, dass über seine eigenen Reaktionen nur er ganz allein entscheidet. Denn: was auch immer passiert, Sie haben jedes Mal aufs Neue die Wahl, wie Sie darauf reagieren. Personen mit Selbstwirksamkeitsüberzeugung glauben daran, dass sie ihre Ziele aus eigener Kraft erreichen und Situationen durch eigenes Handeln beeinflussen und zum Besseren ändern können.

Es bedarf einer starken Aufmerksamkeit und Achtung für sich selbst: Achtsamkeit. Aufmerk-samkeit nur für das, was im Moment ist – im Hier und Jetzt. Achtsamkeit ist ein bewusster und schonender Umgang mit Ihren Ressourcen.

Ein weiterer Faktor, der Sie bei Rückschlägen und in Drucksituationen schützt ist das Wissen darüber, Teil von etwas Größerem zu sein und sich selbst und seinem Tun Bedeutung und Wert zuschreiben zu können. Durch ein tragfähiges Sinn- und Wertverständnis haben Sie eine hohe Verbindung zu Ihrer Arbeit und können auch schwierigsten Momenten eine positive Komponente abgewinnen. Ihre Widerstandskraft und Zufriedenheit hängt auch davon ab, ob Sie im Einklang mit Ihren Werten arbeiten können.

  • Love it, leave it or change it

Gerade in schwierigen Zeiten empfiehlt es sich, diese Perspektive einzunehmen, ist sie doch der erste Schritt zu einer Veränderung.

Um Ihre begrenzten Ressourcen intelligent, also effektiv und effizient, nutzen zu können, ist es zentral, ob die Situation, mit der Sie sich konfrontiert sehen überhaupt veränderbar, von Ihnen beeinflussbar ist. Situationen, auf die Sie keinen unmittelbaren Einfluss haben, erfordern zunächst Ihre Akzeptanz, sie anzunehmen, was keineswegs bedeutet, alles zu schlucken oder resigniert hinzunehmen, sondern Rückschläge als integralen Bestandteil Ihres Lebens anzunehmen.

Richten Sie sich konsequent auf Handlungsspielräume aus. Und wenn er noch so klein ist, einen Handlungsspielraum gibt es immer. Damit konzentrieren Sie Ihr Handeln auf das, was in Ihrem Einflussbereich liegt und Sie werden zum Gestalter der Umstände.

  • Positiv nach vorn

Für die Bewältigung schwieriger Lebenssituationen brauchen Sie Zuversicht. Diese grundsätzlich positive Haltung, dass auch unangenehme Situationen vorübergehen, bedeutet keineswegs, drängende Probleme zu bagatellisieren und sich alle Schwierigkeiten schön zu reden. Realistischer Optimismus respektiert die Realität und geht davon aus, dass negative Ereignisse begrenzt sind und auch wieder bessere Zeiten zu erwarten sind. Die Verhältnisse, so unangenehm sie sein mögen, zwingen niemanden, in Selbstmitleid zu versinken oder sich wehleidig mit Schuldzuweisungen zurückzuziehen.

Eine lösungsorientierte Grundhaltung richtet den Blick auf das, was funktioniert, statt auf das, was nicht klappt. Hoch resiliente Menschen verfügen über eine klare Zielorientierung und setzen sich immer wieder neue, herausfordernde Ziele. Sie verfolgen ihre Ziele mit viel Disziplin und lassen sich auch von Rückschlägen nicht entmutigen. Voraussetzung für eine gelingende Zukunftsplanung ist eine gesunde Mischung aus präziser verbindlicher Planung und spontaner Flexibilität. Vorausschauendes Krisenmanagement mit einer konkreten Planung zur Krisenbewältigung und dem Durchspielen von Worst-Case-Szenarien stärkt die Resilienz. Schon im Vorfeld einberechnete Widrigkeiten sind erträglicher als unkontrollierbare und plötzlich hereinbrechende.

Beziehungsebene: Netzwerkkompetenz

Der Resilienzprozess lässt sich nicht vom Kontakt zu Mitmenschen abkoppeln. Resilienz geschieht in Wechselwirkung mit der Umwelt. Enge und stabile Beziehungen zu mindestens einer Bezugsperson stellen eine zentrale Energiequelle für Resilienz dar. Ein stabiles soziales Umfeld am Arbeitsplatz und auch außerhalb ist daher ein weiterer wichtiger Resilienzfaktor. Netzwerke stabilisieren sich, wenn neben Erfolg auch Scheitern und Niederlagen miteinander verarbeitet werden.

Resiliente Menschen suchen und nutzen bewusst auch externe Ressourcen. Das können Berater, Coaches oder Vorbilder sein, denen sie vertrauen, die sie als Sparringspartner nutzen und damit ihren Bewältigungsprozess positiv unterstützen.

Organisationale Ebene

Spätestens seit 2009 haben fast alle Unternehmen erfahren, was Krise bedeutet. Was wurde getan, um künftigen Krisen gelassener entgegenzublicken?

Resilienz-Management umfasst alle Maßnahmen, die darauf abzielen, die Widerstandsfähig-keit von Unternehmen gegenüber äußeren Einflüssen zu stärken. Unter Resilienz wird hierbei die Fähigkeit von Unternehmen zur Vorbeugung, kurzfristigen Adaption und Innovation bezeichnet. Einem resilienten Unternehmen gelingt es, sich immer zwischen Erhaltung, Reorganisation und Wachstumsphase zu bewegen. Neben den klassischen fachlichen Themen gibt es Resilienzfaktoren, die in hohem Maße über die Flexibilität und Widerstandsfähigkeit von Unternehmen entscheiden:

Die Unternehmens- und Führungskultur einer Organisation entscheidet maßgeblich darüber, wie mit Veränderungen, Belastungen und Überforderungen der Mitarbeiter umgegangen wird. In meiner betrieblichen Erfahrung habe ich es oft erlebt, dass Führungskräfte selbst massiv unter Druck stehen und auf ihre Mitarbeiter nur unzureichend eingehen können. Den Mitarbeitern fehlen häufig Vorbilder, an denen sie sich orientieren können. Viele Führungskräfte achten selbst kaum auf ihre Bedürfnisse und Überlastungen. Um einem Mitarbeiter jedoch hilfreich zur Seite stehen zu können, muss eine Führungskraft zunächst für sich selbst die Verantwortung übernehmen und gut für sich sorgen.

Resilienz entwickelt sich in einem Interaktionsprozess zwischen dem Mitarbeiter und seinem Arbeitsumfeld, wobei die Beziehung zum direkten Vorgesetzten eine entscheidende Rolle spielt. Für Führungskräfte gilt es, Resilienz bei sich selbst zu entwickeln, die Mitarbeiter für Resilienz zu sensibilisieren und resilient zu führen sowie im Außenaspekt das Unternehmen resilient zu halten. In einem resilienten Führungsstil sind Resilienz-Aspekte in die Führungs-haltung integriert und werden als Führungsinstrumente genutzt. Die Führungskultur prägt nicht nur die Resilienz sondern auch umgekehrt: Resilienz prägt die Führungskultur, denn ein hoch resilienter Mitarbeiter wird anders zu führen sein als ein weniger resilienter Mitarbeiter.

Es gilt, Führungskräfte durch ein ganzheitliches betriebliches Gesundheitsmanagement zu unterstützen. Viele Unternehmen haben bereits gute Angebote realisiert, jedoch meist nur auf der körperlichen Ebene. Was oft fehlt ist ein Konzept im Umgang mit psychisch erkrankten Mitarbeitern und Prävention. Umfassende und schlüssige Konzepte, die den ganzen Menschen erreichen sind bereits heute eine drängende Aufgabe und betriebliche Herausforderung. Gesunde Wertschätzung der Mitarbeiter ist die Basis für eine gesunde Wertschöpfung im Unternehmen.

Flexibilität und Belastungsfähigkeit gehört nicht nur zum Krisenmanagement, sondern zum Standardprogramm eines guten, wettbewerbsfähigen Unternehmens. Denn wir ahnen es: Nach der Krise ist vor der Krise und selbst wenn die Krise geht, Turbulenzen und Veränderungen werden bleiben.

Resilienztraining: Ihr persönliches Resilienzprofil

Resilienz entsteht über einen längeren Zeitraum aufgrund verschiedener Vorbedingungen und Erfahrungen sowie gezielten Aufbaus und Trainings. Resilienz hält daher seit vielen Jahren Einzug in das Managementtraining. Resiliente Menschen zeigen, dass starke Ausprägungen in den einzelnen Resilienzfaktoren den beruflichen Erfolg fördern und vorantreiben können. Schwächere Resilienzfaktoren können weiterentwickelt bzw. durch Stärken ausgeglichen werden. Letztlich kommt es dann auf das Zusammenspiel der einzelnen Merkmale und die Balance zwischen den Resilienzfaktoren an. Niemand ist resilient für alle Zeit. Mit jeder neuen Situation sind wieder gefordert, die dafür nötigen Fähigkeiten zu aktivieren.

Resilienz ist kein Selbstzweck, sondern eine wichtige Fähigkeit, um widerstandsfähiger mit den Widrigkeiten des Lebens und den immer schneller stattfindenden Veränderungen in unserer komplexen Welt umzugehen. Diese wertvolle Ressource greift nicht nur in turbulenten Zeiten sondern führt langfristig zu höherer Lebensqualität, mehr Zufriedenheit und ganzheitlichem Erfolg.

Andrea Herkommer

Author: Andrea Herkommer

Andrea Herkommer ist selbstständige Trainerin, Beraterin und Coach (dvct, QRC). Ihr Schwerpunkt liegt auf Führung in all ihrer Komplexität und dem Umgang mit Veränderungen sowie der Entwicklung von Resilienz. Sie hat betriebliche Führungserfahrung und langjährige Berufspraxis im Personalmanagement.

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