Rückschläge und Niederlagen akzeptieren lernen

Wer kennt sie nicht, die Tage ohne Sieg, ohne dass die eigene Vorstellung Wirklichkeit geworden ist. Jeder von uns hatte dieses oder jenes Erlebnis, und jeder hat seine Art damit umzugehen. Und ist es nicht so, dass je nach Art des Ereignisses auch einmal der Gedanke „Das war´s jetzt!“ kommt?Overworked or writers block

Dabei ist dieser Gedanke doch verpönt!

Machen wir uns nichts vor: in unserer Gesellschaft ist dieser Gedanke negativ belegt. Er wird mit Aufgeben, etwas nicht zu Ende bringen oder gar Schwäche und Widerstandslosigkeit assoziiert. Das sind drastische Worte – doch denken wir nicht alle so? Ist nicht der Gewinner derjenige, dem Bewunderung zuteil wird? Ist nicht der persönliche Erfolg Merkmal unseres Selbstwertgefühls, unseres Status nach Außen? Und ist das Streben nach Verbesserung nicht unsere Triebfeder? Fragen über Fragen und doch fehlt etwas. Denn die Antwort ist – „Im Prinzip schon, aber…“

In der letzten Woche habe ich eine Vorschau für eine Komödie gesehen. Der Protagonist (ein Abteilungsleiter bei einer Versicherung) brachte ein passendes Beispiel für unser Dilemma:

„…das ist, wie wenn du dein ganzes Leben in einem Orchester Bratsche spielst und übst und übst und übst. Und es wird nicht besser. Dann schmeißt du hin und fängst an mit malen und zack – auf einmal bist du in irgendwas richtig gut…“ (1)

Damit sind wir beim Aber.

Doch nicht so schnell – der Teil „im Prinzip schon“ bezieht sich auf unsere Stärken. Wir wären alle ohne Verständnis gewesen, wenn Bastian Schweinsteiger nach der Fußball-WM 2010 seine Karriere beendet hätte, oder Michael Schumacher nach seiner ersten Renn-Saison das Autofahren aufgegeben hätte. Josef Ackermann hat nicht um Entlassung gebeten, als ihm ein Shitstorm nach seinem „Victory-Zeichen“ im Gerichtssaal entgegen blies. Diese Beispiele der Prominenz seien stellvertretend für Stärke und Talent genannt. Sie zeigen: Man darf hinfallen, man darf scheitern, aber man muss auch wieder aufstehen und weitermachen!

Und das bringt uns zurück zum „Aber“. Es ist an jedem selbst, die eigene Leistungsfähigkeit und tatsächliche Performance zu erkennen und zu unterscheiden. Ist man an seine Grenzen gestoßen, kann man nur die Niederlage akzeptieren, den Rückschlag hinnehmen.

Wichtig ist die Erkenntnis, die aus diesen Erlebnissen gezogen wird: „Es gibt tausend Dinge, in denen man gut sein kann – in diesem Fall bin ich es nicht und werde ich es nicht sein – also muss ich herausfinden, wo es mir besser gelingt.“

Dies gilt für den Job genauso wie für das Privatleben. Man muss lernen zu akzeptieren, dass „die Dinge manchmal sind wie sie sind“. Manchmal zeigt sich: „ab hier investierst du Energie und Kraft ohne einen Return on Investment.“

Natürlich ist es schon vorher sinnvoll, die Realitäten im Blick zu halten, sich nicht zu verrennen. Wenn es jedoch soweit kommt und man akzeptieren muss: „Ich war nicht gut genug und kann nicht besser werden“ ist es wichtig Kraft zu sammeln und seinen Fokus darauf zu richten, was einem wichtig ist.

Wo man gut war. Wo vielleicht das Talent liegt. Dort weitermachen. Wieder aufstehen.

Egal also, ob ich in der Beziehung oder im Beruf, in meinen Freizeitaktivitäten oder als Teil meiner Firma eine Niederlage oder einen Rückschlag hinnehmen muss: wichtig ist es zu lernen was nicht gelungen ist – aber auch was gut war. Dort gilt es anzusetzen und sich neu zu erfinden. Dann kann man Kraft aus der Niederlage ziehen und am Ende des Tages zu den Gewinnern gehören.

So gesehen sind Niederlagen und Rückschläge nicht das Ende – sondern der Anfang zu etwas neuem.

(1) „Stromberg: der Film“ Trailer
(2) Josef Ackermann wurde 2004 (damals als Vorstandssprecher der Deutschen Bank) im Prozess um die „mannesmann-D2“-Übernahme durch Vodafone als Mitangeklagter fotografiert, wie er mit den Fingern ein V formte, welches allgemein als ein „Siegeszeichen“ gedeutet wird. Daraufhin brach über ihn ein medialer Entrüstungssturm herein, welcher auf die vermeintliche Überheblichkeit der Banken im Allgemeinen und von Jo Ackermann im Besonderen abzielte und ihm und der Deutschen Bank einen Imageschaden brachte. http://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/a-285044.html


 

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Michael Zachau

Autor:Michael Zachau

Michael Zachau, Jahrgang 1972, ist seit 2005 als Trainer für Kommunikation und Präsentation unterwegs. Seine beruflichen Wurzeln liegen im Finanzdienstleistungebereich. Ganz "klassisch": Bankausbildung, BWL-Studium. neben der Trainertätigkeit arbeitet er auch als Dozent u.a. für die Frankfurt School.

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