Stress ist Krankheitsfaktor Nr. 1 in sozialen Berufen

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Gerade in sozialen Berufen klagen viele Mitarbeiter über Stress

Die Autorin Marion Fuchs analysiert seit vielen Jahren als zertifizierte Betriebliche Gesundheitsmanagerin und Entspannungspädagogin die Auswirkungen von Stress auf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in sozialen Berufen. Basierend auf Ihren Erfahrungen im Gesundheitssektor hat sie Methoden entwickelt, die den dort tätigen Menschen bei der Bewältigung des Berufsalltages helfen. Dieses Thema erfährt mehr denn je politische und gesellschaftliche Relevanz. Seit Langem ist bekannt, dass der Druck und die Arbeitsbelastung auf Pflegedienstleister steigt. Das Resultat ist beruflicher und privater Stress.

Allen sozialen Berufen ist gemeinsam :

  • Der Bedarf an gemeinnütziger Arbeit und die Ansprüche an Effizienz und Effektivität steigen stetig.
  • Das Arbeitspensum wird auf immer weniger Schultern verteilt.
  • Deshalb erfordert die Aufrechterhaltung der Qualität mehr Anstrengung und Engagement von jedem einzelnen Mitarbeiter.
  • Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in sozialen Berufen sind einem hohen Grad an Belastung ausgesetzt, was die inhaltlichen und strukturellen Bedingungen ihrer Tätigkeit anbelangt.

So ist es nicht verwunderlich, dass 50% der Mitarbeiter in sozialen Berufen über psychische und physische Erschöpfung klagen. Die Folge dieser Dauerbelastung ist Stress. Und dieser Stress ist bei 50% der Beschäftigten Krankheitsfaktor Nr. 1.

Die mentale Erschöpfung versteckt sich zum Beispiel hinter Spannungskopfschmerz, Migräne, Rücken- oder Gelenkbeschwerden. Die Ursache für diese Erkrankungen ist in 75% der Fällen Stress!

Stress ist ein körperlicher und mentaler Spannungszustand, der zu schlechten Entscheidungen und fehlerhaftem Handeln führt: Durch die stressbedingte Erhöhung von Pulsfrequenz und Blutdruck kommt es zu Konzentrationsschwäche, Denkblockaden und Tunnelblick. Nicht selten wird ein Ventil zur Entlastung in Kollegen oder Klienten/Patienten gesehen. Doch nicht immer wirkt sich Stress negativ auf den Menschen aus. Sollte Stress als positiv erlebt werden, kann er sich auch enorm belebend und leistungssteigernd auswirken.

Ob Stress demnach als “gut” oder “schlecht” erlebt wird, hängt davon ab, ob die herausfordernde Situation als lösbar oder nicht lösbar empfunden wird. 

Verantwortlich für den positiven oder negativen Umgang mit Stress ist die individuelle Bewältigungskomeptenz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Diese gründet sich auf:

  • dem Wissen über stressauslösende Faktoren und deren Ursachen
  • dem Wissen über stressbedingte neurobiologische Abläufe
  • der Erkenntnis des eigenen Stresslevels
  • der Fähigkeit Stress abzubauen und sich zu erholen
  • dem Wissen über Entspannung durch Bewegung
  • dem Wissen über die Zusammenhänge von Stress und Ernährung
  • dem Vermögen eigene Kompetenzen wirkungsvoll zu nutzen und zu stärken
  • der Fähigkeit zu effektivem Zeit- und Selbstmanagement
  • dem achtsamen Umgang mit sich selbst und den eigenen Maßstäben
  • den Emotionen, die mit Stress verbunden werden

Je größer die Übereinstimmung zwischen den Arbeitsaufgaben und der Qualifikation der Mitarbeiter ist, desto mehr wird eine Situation als lösbar und somit „stressfrei“ erlebt. Es ist Aufgabe der Führungskräfte hier das entsprechende Matching herzustellen und die Selbstwirksamkeitserwartung ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter so zu stärken, dass auch „große Herausforderungen“ nicht als Schwierigkeit, sondern als gesunder Anreiz zur eigenen Weiterentwicklung empfunden werden. In diesem Sinne muss Stressmanagement in Unternehmen immer systemisch und individuell, und immer bei Mitarbeitern und Führungskräften ansetzen.

Quellen:

Prof. Dr. Holger Buxel; Studie der Universität Münster; Januar 2011, Jobwahlverhalten, Motivation und Arbeitsplatzzufriedenheit von Pflegepersonal und Auszubildenden in Pflegeberufen

BGW-DAK Stress-Monitoring 2001. Überblick über die Ergebnisse einer BGW-DAK-Studie zum Zusammenhang von Arbeitsbedingungen und Stressbelastung in ausgewählten Berufen. http://www.insa-roehling.de/gesundheitsmanagement/workshop_balance.htm#InBalancePaed

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Marion Fuchs

Autor:Marion Fuchs

Die Autorin ist Systemischer Coach, Trainerin und Beraterin bei Coaching Concepts. Neben langjähriger Vertriebspraxis bringt sie umfangreiche Erfahrungen im Gesundheitswesen sowie in der Begleitung von Menschen in Veränderungssituationen und Qualifizierungen zum Gesundheitsmanager und zur Entspannungspädagogin mit. Ihre Kern-Themen sind Kommunikation, Veränderung und Mitarbeitergesundheit.

2 Responses to “Stress ist Krankheitsfaktor Nr. 1 in sozialen Berufen”

  1. 18. März 2015 at 09:21 #

    Wir sind der Meinung, dass Führungskräfte neben der alltäglichen Arbeit auch die eine gewissen soziale Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern haben.
    Ein gutes Klima innerhalb der Abteilung oder dem Unternehmen ist wichtig, dass sich alle wohlfühlen können.
    Dazu kommt, dass der Stress nicht zu groß werden darf, so dass es bei den Mitarbeitern zu einer physische oder psychische Erschöpfung kommt.
    Wir sind der Meinung, dass das Unternehmen es natürlich nie ganz beeinflussen kann, dass es zu einer Erschöpfung kommt, allerdings können sie dem entgegenwirken.
    Gerade die Tatsache, dass das Arbeitspensum oft auf nur noch auf wenige Schultern verteilt wird, kann man sicher zum Teil ändern. Auch präventive Maßnahmen, wie das Erlernen von Maßnahmen zur Stressbewältigung können hierbei von großer Hilfe sein.
    Die Anforderungen sollten auf die Qualifikationen der Mitarbeiter zu treffen. So können sie unserer Meinung nach ruhiger zur Arbeit gehen, wenn die Mitarbeiter keine Überforderung spüren.
    Natürlich sollte man trotzdem seine Mitarbeiter fördern und fordern aber nicht überfordern, so dass es dann zu einem zu hohen Stressfaktor kommt.
    Abschließend ist zu sagen, dass die Führungskräfte hier einen gesunden Mittelweg finden müssen, damit der Krankheitsfaktor der Mitarbeiter nicht zu sehr ansteigt.

    • 26. März 2015 at 15:51 #

      Sehr geehrte Frau Michaelis,
      vielen Dank für Ihren treffenden Kommentar, dem ich mich voll und ganz anschließe.
      Führungskräfte bzw. das Management eines Unternehmens oder einer sozialen Organisation sind ohne Zweifel in der Verantwortung für ihre Mitarbeiter.
      In meinen Stressmanagement- Seminare für Führungskräfte nimmt daher neben den „Bewältigungsmechanismen der persönlichen Stressfaktoren als Führungskraft“ die „Mitarbeiterorientierte Führung“ als Instrument zur Resilienzstärkung der Mitarbeiter eine zentrale Rolle ein.
      Im sozialen Umfeld tätige Unternehmen bzw. Organisationen sind klug beraten, die Ressourcen ihrer Mitarbeiter auf allen Ebenen zu stärken und so einen möglichst langen Verbleib im Betrieb bzw. der Tätigkeit zu ermöglichen. Der Großteil der in diesem Segment beschäftigten sind Frauen. Frauen, die durch die Doppelbelastung in Beruf und Familie auch einer mehr als doppelt so hohen Zahl an Stressoren ausgesetzt sind. Ihr Ausfall kann weder am Arbeitsplatz, noch familiär ersetzt werden. So übersteigt die Zahl der offenen Stellen in Pflegeberufen bei weitem das Angebot und der
      „Multi-Tasking-24-Stunden- Full-Time-Job“einer Mutter, die häufig auch die Pflege naher Angehöriger übernimmt, ist mit keiner externen Kraft zu bewältigen.
      Die Aufwendungen für Achtsamkeitstraining, Ressourcen- und Resilienzstärkung sowie Techniken des Stressabbaus, gepaart mit Mitarbeiterorientierten Arbeitsbedingungen, sind gering im Vergleich zu den Kosten, die auf Betriebe und Sozialkassen zukommen, wenn diesen Kräften “ die Kräfte schwinden“.

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