Teambuilding in start-up Unternehmen. Ein Gründer erzählt.

– Gründer Benedikt Kappel nennt seine drei Grundsätze, die für die Arbeit von Teams in Start-ups höchste Wichtigkeit haben.

Zunächst: Was ist eigentlich ein Start-up?Startup

Der Begriff ‘Startup’ ist zumeist konnotiert mit exitorientierten Geschäftsmodellenvagen Ursprungs, deren Monetarisierung einer Fiktion entspringt, die Ihre gesetzten Milestones an den Werten von MTV bemisst. Mit diesem Klischee muss ich in unserem Fall aufräumen – denn unser ‘Startup’ (boca), unsere junge Firma, entsprang aus dem studentischen Alltag und dem Bedürfnis der Vereinfachung. Als Start-up bezeichnet man i.d.R. Existenzgründungen oder kleine Unternehmensgründungen. Alles fängt mal klein an!

boca bietet Kundenbindung – und Kundenbindung kennt jeder Mensch von Kindesbeinen an als die “10 Kaffee, 1 Tasse gratis” – Stempelkarte. Ich fand also an einem regnerischen Novembernachmittag im Jahr 2010, dass in diesem digitalen Zeitalter alles einfacher gehen sollte und setzte mich zusammen mit zwei alten Schulfreunden auf die Bibliothek-Bank, um eine zeitgemäße Lösung zu finden, die auf dem Weg auch noch Probleme löst wie

a) Stempelkarten benötigen Platz im Portemonnaie und sollten Informationen bieten, wie Öffnungszeiten, Telefonnummer, Adresse,

b) Stempelkarten sind fälschbar und daher für Gastronomien und Filialisten mitunter kein Zuckerschlecken, ebenso ist Mitarbeiterbetrug eine große Sorge.

Business Handshake to Seal a Deal

Diese Challenges konnten wir mit einem positiven und freundlichen Produkt lösen und befinden uns nach einer 6 Monatigen Testphase nun auf dem Markt und stürzen uns täglich auf’s Neue begeistert in spannende Challenges um Werbung, Kundenbindung, Social Media und Online/Offline-Übersetzungen. Dafür benötigen wir natürlich neben neuen Räumlichkeiten auch neue Mitarbeiter und Kollegen, die mit ebensoviel Elan und Verständnis auf ein Ziel zuarbeiten, dass gerade erst Marktreife erlangt. Inzwischen konnten wir in ein wunderschönes Büro in Schwabing umziehen und aus den 3 Gründern zu Beginn wurden 8 Kollegen, die sich auch zum Feierabend noch auf ein (alkoholfreies) Bierchen treffen – ein großer Erfolg für ein kleines Unternehmen!

Ein umfassender Lernprozess im Team

Bis es soweit kam, hatten wir die Gelegenheit, unheimlich viel zu lernen – ein Prozess, welcher natürlich nie aufhört und dessen Erfolg leider nicht so konkret messbar ist, wie es Seminare in der Universität suggerieren oder Seminareinheiten in der Erwachsenenbildung herbeiführen.

Obwohl sich verschiedene Prozesse und Abläufe in einem kleinen Unternehmen signifikant in Umfang und Komplexität von denen in mittleren Unternehmen und Konzernen unterscheiden, konnten wir Gründer aus der Generation Praktikum diverse Mechaniken wiedererkennen, welchen wir bereits früher in Verlagen, Agenturen und Konzernen begegnen konnten. Folgend möchte ich drei Grundsätze aufführen, welche als so allgemeingültig und anerkannt gelten mögen, dass sie scheinbar keiner expliziten Betrachtung erfordern, aber in ihrer grundlegenden Wichtigkeit in Teamgrößen von einer bis einhundert Personen Prozesse optimieren und Erfolge herbeiführen können – denn die Zusammenarbeit entscheidet die Unternehmensperformance.

Drei Grundsätze für Zusammenarbeit im Team

Respekt, sich selbst gegenüber und zum Nächsten, ist für mich einer der entscheidendsten Faktoren der Zusammenarbeit, denn Respekt beinhaltet Konnotationen wie ‘Achtung’, ‘Bodenständigkeit’, ‘Anerkennung’ und ‘Demut’ – Werte, die direkten Einfluss auf Disziplin, Selbstbewusstsein und Leistungsvermögen eines Teams haben. Sich selbst nicht zu überschätzen, von Teammitgliedern angemessen zu verlangen, aber dabei Erfolge an zu erkennen und fordernde Milestones zu erzielen bringt Drive in Unternehmen und fördert Harmonie und Motivation. Große Teams wie Projektgruppen oder ganze Abteilungen fangen einzelne Ausfälle davon mit geringen Performanceverlusten ab. Für Startups, wo das Team das Unternehmen darstellt, sind diese Grundsätze zwischenmenschlichen Handelns überlebenswichtig.

Reflexion unterscheidet den Mensch von der Maschine, oder wie Mutti sagt: “Erst denken, dann reden.” Im Zuge unseres Teambuilding wurde eine gemeinsame TelKo zwei mal pro Woche Pflicht – und der anfängliche Part eines jeden Kollegen war die Betrachtung der erreichten Ziele, der entscheidenden Gründe für den Erfolg oder Misserfolg sowie die Möglichkeit, anderen Teammitgliedern nachvollziehbar Prozesse zu erläutern. Allerdings muss nicht nur Vergangenes reflektiert werden: Ob im Produktdesign oder im Salespitch hilft Abstand und (Selbst)Kritik, Schwachstellen zu flicken und Chancen zu erkennen. Reflexion ist hilfreich für den Unternehmer als ‘lone wolf’. Der Blick über den Tellerrand in einer komplexeren Unternehmung ermöglicht jedoch noch viel mehr: Fehler zu erkennen und zu vermeiden, die Möglichkeit, von Besseren zu lernen und so Prozesse fortwährend zu optimieren mag den entscheidenden Drehmoment einer erfolgreichen Unternehmung darstellen.

Reden, reden, reden. Auch, wenn ein Team nicht in einem Büro, in der gleichen Stadt oder gar im gleichen Land sein mag, so ist die ständige Kommunikation wohl das entscheidende Kriterium einer erfolgreichen Unternehmung. Austausch bedeutet Bewegung – und Stillstand immer Rückschritt. Eigentlich ist die Erläuterung der Signifikanz von Kommunikation hinfällig, da oben genannte Botschaften ohne Austausch nicht möglich wäre. Ein oft unterschätzter Aspekt ist jedoch die Kommunikation als Austausch von Erwartungshaltungen. Gemeinsame Ziele werden klarer, Kreativität wird angeregt und vor allem entsteht eine ständige Synchronisation, welche das Unternehmen eint und Effektivität fördert. Speziell in einem überschaubaren Team, wo die andere Abteilung manchmal nur eine Person sein kann, entstehen Situationen, wo das Know-How von allen gefragt ist und manche kreative Prozesse gerade durch die gegenseitige, positive Reibung angeregt werden.

Dass Kommunikation allerdings nicht nur innerhalb eines Unternehmens hohe Priorität genießt, sondern auch zwischen Unternehmen sowie Unternehmen und Klienten, ist auch eine Botschaft des modernen Web. Der Trend zu Facebook und Blogs ist ein klares Signal zum Gespräch auf Augenhöhe. Insbesondere bin ich daher froh und geehrt, auf diesem Blog möglicherweise einen kleinen Beitrag zum Nachdenken leisten zu können und verstehe diesen Eintrag auch als Einladung zu anregenden Gesprächen. Ich freue mich auf Ihre Meinung!

Benedikt Kappel

Author: Benedikt Kappel

Bene Kappel ist Gründer eines Augsburger Start-ups (boca). Als Führungsperson eines jungen Unternehmens mit mittlerweile 8 Mitarbeitern musste er sich schon früh mit Personalentscheidungen und Teambuilding auseinandersetzen. Dabei zeigte sich schnell, dass man diese Erfahrungen und Kompetenzen nicht an der Uni erwirbt, sondern sie sich on the job erarbeiten muss.

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