Führungsqualität „Vertrauen“ – Vertrauen im heutigen Unternehmenskontext

– Im ersten Teil der Artikel-Reihe zum Thema „Vertrauen im heutigen Unternehmenskontext“ beschäftigt sich Dipl.-Sozialwirtin Barbara Poschmann mit dem sozio-kulturellen Kontext von Arbeit im Unternehmen und mit dem Wirkungsfaktor Angst.

Hinleitung: Eine historisch vorbildlose Situation …

Teamwork conceptWir stehen historisch gesehen vor dieser vorbildlosen Situation, in der weder mit einer Entschleunigung der globalen Prozesse zu rechnen ist noch eine Rückkehr zu bisher bekannten Führungsprinzipien möglich sein wird. Vertrauen ist obligatorisch in einer Zeit, in der aufgrund der neuen Kommunikationstechnologien auf die physische Mobilität verzichtet werden kann und ein schnelles und koordiniertes Handeln zwischen Marktteilnehmern erwartet wird, obwohl diese sich nicht zwingend kennen müssen. Daher ist Vertrauen heute die Basis für schnelle Entscheidungswege aber auch das A und O für funktionierende Kommunikation. In einer Zeit, in der die ständige Veränderung vielleicht das einzig Vorhersagbare bleibt, ist es sicherlich eine prekäre Angelegenheit, über Vertrauen als Führungsqualität zu schreiben. Macht und Geld versagen zunehmend und nachweislich als die zentralen Steuerungselemente in Unternehmen – Prestige und Status rutschen auf die hintersten Ränge im Wertesystem der jungen Generationen am Arbeitsmarkt. Hier nimmt Vertrauen neben Kommunikation eine der wichtigsten Funktionen im modernen Unternehmensalltag ein. Unternehmen, die heute diese strukturell notwendigen Veränderungen nicht ernst nehmen und beispielsweise weiter auf hierarchische Führung bauen, werden die Konsequenzen in Zukunft schmerzhaft zu spüren bekommen.

„Vertrauen ist heute die Basis für schnelle Entscheidungswege aber auch das A und O für funktionierende Kommunikation.“

Verlorenes Vertrauen und Angst zerstören Synergieeffekte, Kreativität und Innovationsgeist

Angst zu haben ist ein Anzeichen dafür, dass Vertrauen verloren gegangen ist. Nach neueren Schätzungen sind die Kosten, die Unternehmen durch Angst  am Arbeitsplatz entstehen vergleichbar mit den Kosten durch Mobbing am Arbeitsplatz. Regiert die Angst im Unternehmensalltag, ist dies ein Anzeichen für verlorengegangenes Vertrauen. Angst ist wie ein Chamäleon, sie kann jede Farbe annehmen, trägt viele Kostüme. Angst kennt keine Hierarchien, macht keinen Unterschied zwischen den Branchen oder den Geschlechtern – Angst hat keine Grenzen. Angst kontaminiert das System an sich, sie kann beim Einzelnen herrschen, aber auch im Bewusstsein der Gruppe oder gar einer Gesellschaft (z.B. das Phänomen „Deutsche Angst“). Angst ist ein mentaler Zustand. Macht sie sich einmal breit, wird es teuer – bekanntlich sind ganze Unternehmen, ja Branchenzweige betroffen von Phänomenen wie Burn-Out, von Frustrations- oder Erschöpfungszuständen, manchmal auch von Bore-Out, also Langeweile. Gesamtwirtschaftlich bedeutet dies nicht nur immense monetäre Verluste, sondern insgesamt eine Verlangsamung, Blockierung und Schädigung der Wirtschaftskraft.

„Angst kontaminiert das System.“

Sich seinen eigenen Ängsten stellen können

Grundsätzlich gilt für jede Führungskraft: wer sich selbst, seinen eigenen Personalentscheidungen und seinen eigenen Führungsfähigkeiten vertrauen kann, kann auch den eigenen Mitarbeitern Vertrauen entgegenbringen. Wer statt harten Regeln klare Zielvereinbarungen trifft, kann mit engagierten und proaktiven Mitarbeitern rechnen statt mit den Ergebnissen auf angstbasierter Arbeitsmotivation. Und wer sich als Führungskraft seinen eigenen Ängsten stellen kann, anstatt die Ängste nach Draußen zu adressieren, tut viel Gutes für die „psychische Teamhygiene“, ist gleichzeitig ein kraftvolles Vorbild und findet ehrliche, wenn auch vielleicht zunächst stillschweigende Anerkennung als „Leader“, dem auch in wirtschaftlich unruhigen Zeiten Anerkennung gebührt. Außerdem können Kreativität, Innovation und Eigeninitiative nur in angstfreier Umgebung fruchten. Vertrauen geben und im Gegenzug annehmen zu können aber auch ein grundsätzliches Verständnis für die Wichtigkeit einer gesunden und wohlwollenden Vertrauenskultur im Unternehmen zu haben sehe ich als eine der zentralsten Qualitäten einer zukunftsfähigen Führungskraft.

Ein Schlüssel: der gute Umgang mit eigenen Ängsten

Wer „JA!“ sagen kann zu eigenen Ängsten und Unsicherheiten und diese umwandelt in Aktion und Entscheidungsstärke, zeigt meiner Meinung nach wahrliche innere Größe und Stärke. Denn: aus der eigenen Angst und Unsicherheit heraus werden (meist unbewusst) hemmende, systemische Kontrollmechanismen und Handlungsmuster geschaffen, um – vermeintlich – sämtliche Gefährdungen und Unwägbarkeiten im Umfeld beseitigen oder kontrollieren zu können. Derjenige, der einen gesunden Umgang mit Angst bei Veränderungsprozessen, Strukturveränderungen, Unwägbarkeiten und Unsicherheiten hat, wird besser mit diesem Gefühl klarkommen. Hinzu kommt, dass die jungen Teilnehmer am Arbeitsmarkt die Mechanismen durchschauen, die scheinbar bei den vorhergehenden Generationen nicht funktionierten – mit seismographischer Klarheit suchen Sie sich in Unternehmen die Führungskräfte, die ihnen wirklich noch als Vorbilder dienen können und meiden die anderen. Bald aber steigen einige von Ihnen selbst in Führungspositionen auf.

„Angst und Unsicherheit führen zu hemmenden, systemischen Kontrollmechanismen und Handlungsmuster.“

Teil 2 der Artikelreihe wird sich mit dem Spannungsdreieck „Macht, Sicherheit, Angst“ befassen.
Er wird am 5.8.2013 veröffentlicht.

Barbara Poschmann

Author: Barbara Poschmann

Dipl.-Sozialwirtin Barbara Poschmann hat in ihrer beruflichen Karriere sehr viele eindrückliche Erfahrungen im sozialen Gefüge von Unternehmen – oftmals zwischen Chef und Mitarbeitern – gesammelt. Diese Erfahrungen hat sie durch intensives Studium und Recherche theoretisch fundiert. Nun startet die mittlerweile selbstständige Trainerin auf Performance-strategies.de eine Artikelserie, die sich mit dem Thema Vertrauen befasst.

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